Mein Hund knurrt. Das darf er aber nicht! Oder doch?

Plötzlich knurrt dein Hund und für dich bricht eine kleine Welt zusammen. Gedanken schießen dir durch den Kopf: “So etwas hat er ja noch nie gemacht! Warum jetzt?”, “Das darf er nicht!”, “Habe ich jetzt einen aggressiven Problemhund?”, “Wie kann ich mit dem Hund weiter zusammenleben?”, “Was habe ich falsch gemacht?” - All diese Gedanken sind mehr als verständlich und gleichzeitig müssen wir uns einmal in die Lage des Hundes versetzten, um sein Knurren besser verstehen zu können.

Warum knurren Hunde?

Knurren ist zunächst einmal ein Kommunikationsmittel. Der Hund sendet damit eine sehr deutliche Bitte aus. Könnte dein Hund sprechen, würde er vielleicht sagen: “Das ist mir unangnehm.”, “Ich brauche Abstand.”, “Ich habe Sorge, dass du mir das Futter wegnimmst.”, “Bitte berühr mich nicht, ich habe Schmerzen.”

Der Hund hat vorher wahrscheinlich schon andere Signale gesandt, die wir Menschen leider viel zu häufig übersehen. Möglicherweise hat er

  • den Blick abgewandt

  • seinen Körper von dir weggedreht

  • sich mit der Zunge über die Lefzen geleckt

  • die Ohren angelegt

  • den Kauknochen mit der Pfote gesichert

Warum kann das Schimpfen als Reaktion kontraproduktiv sein?

Wenn ein Hund knurrt, reagieren viele Menschen mit Härte und Druck. Sie schimpfen und reagieren körperlich. Diese Reaktion ist nachvollziehbar, da der Mensch das Verhalten möglichst schnell unterbinden möchte.

Viele Hundetrainer propagieren leider immer noch veraltete Maßnahmen: Man müsse dem Hund sagen, “wer hier der Chef ist”, und welches Verhalten erlaubt ist. So wird ein Hund, der sich ohnehin in einer für ihn unentspannten Situation befindet, in große Bedrängnis gebracht. Er wird körperlich gemaßregelt, indem an der Leine geruckt, in die Flanken gezwickt, er angeschrien oder auf den Rücken gedreht wird. Was wird der Hund aus einer solchen Reaktion der Menschen lernen?

Ebensolche Reaktionen helfen dem Hund in der Situation gar nicht, sondern bringen die Gefahr mit sich, die Emotion noch hochkochen zu lassen und das Verhalten zu verschlimmern. Aus einem Knurren kann in einer solchen Situation dann schnell ein Beißen werden. Der Stresspegel des Hundes steigt derart in die Höhe und er sieht möglicherweise keinen anderen Ausweg. Problem ist, der Hund wird nicht selten für schuldig erklärt, dabei hat er eigentlich nur sein natürliches Verhaltensrepertoire abgespult.

Auch im Fall, dass die Menschen nicht mit derartiger Härte reagieren, wie soeben beschrieben, und dennoch die Warnung nicht erkannt wird, kann der Hund lernen, dass er das nächste Mal vehementer kommunizieren muss, damit er besser verstanden wird. Bedeutet: Der Hund warnt nicht mehr, sondern wird direkt schnappen (zunächst eventuell noch in die Luft) oder beißen.

Hinzu kommt, dass die Reaktionen der Menschen zu einem massiven Vertrauensverlust führen können. Wer möchte das schon?

Wie reagiere ich richtig, wenn mein Hund knurrt?

  • Auch wenn es schwer fällt, die erste Maßnahme sollte sein: Ruhig bleiben! Atme tief durch!

  • Nimm Druck aus der Situation, indem du dir und deinem Hund Raum verschaffst. Entferne dich ein paar Schritte oder geh mit deinem Hund gemeinsam aus der Situation, die ihn gerade aufwühlt. (Hier kommt es ganz auf den Auslöser an.)

  • Schimpfe nicht und sei auf deinen Hund nicht wütend. Lass die Emotionen auf beiden Seiten nicht hochkochen.

  • Suche nach den Ursachen für das Verhalten des Hundes. Sind es Unsicherheit, Angst, chronischer Stress, Schmerz? Sind wir dem Liegeplatz zu nah gekommen? Haben wir oder ein anderer Hund uns dem heiß geliebten Spielzeug zu sehr genähert?

Statt den Hund für seine klare Kommunikation zu bestrafen, sollten wir uns in die Lage des Hundes versetzen und überlegen, wie wir zukünftig solche Situationen verhindern können.

Genau hier setzt die Arbeit mit dem Hund an. Ursachen erkennen, Körpersprache lesen lernen sowie für Mensch und Hund sinnvolle Verhaltensweisen aufbauen.

Du musst das nicht allein durchstehen!

Ein knurrender Hund ist kein „aggressiver Problemhund“, sondern ein Hund, der sehr klar ein Bedürfnis kommuniziert. Wenn du lernen möchtest, die feinen Signale deines Hundes besser zu lesen und Konflikte im Alltag nachhaltig und gewaltfrei zu lösen, helfe ich dir gern dabei.

In einer Verhaltensberatung suchen wir zunächst gezielt nach den Ursachen und schließen daran für euch passendes Training an. Nimm dazu für ein unverbindliches Erstgespräch Kontakt zu mir auf.

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