„Der will doch nur mal kurz ,Hallo’ sagen!”
„Der muss nur mal eine richtige Ansage von einem anderen Hund bekommen, dann lernt der das schon!”
„Guck mal, wie die spielen – die haben richtig Spaß zusammen!”
„Lass die ruhig! Die regeln das schon unter sich!“
„Ihr Hund darf keinen Sozialkontakt? Der arme Hund!“
Solche Sätze - oft begleitet von einem mitleidigen Blick - hört man im Berliner Alltag bei fast jedem Spaziergang, wenn man den eigenen Hund an einem „Tut-nix“ vorbeiführen möchte. In der Regel aus Unwissenheit und gut gemeinter Absicht so leicht dahingesagt, können die Aktionen dahinter jedoch für reichlich Unruhe sorgen.
Viele Menschen sind nach wie vor überzeugt: Ein Hund ist nur dann glücklich, wenn er zu jedem Artgenossen hinrennen und wild toben darf. Wer das unterbindet, gilt schnell als Spielverderber oder „unsozial“.
Doch sehe ich im Alltag oft das Gegenteil: Viele Hunde sind mit unkontrollierten Begegnungen völlig überfordert.
Genau hier setzen gut geführte Social Walks in Berlin an. Warum das gemeinsame, strukturierte Spazierengehen an der Leine oft viel wertvoller für die Entwicklung deines Hundes ist als wildes Toben, erfährst du in diesem Beitrag.
Was ist ein Social Walk überhaupt?
Ein Social Walk (auch Lernspaziergang genannt) ist ein strukturierter Spaziergang in einer kleinen Gruppe. Die Hunde bleiben während des gesamten Walks an der Leine. Es gibt keinen direkten Körperkontakt.
Stattdessen bewegen wir uns gemeinsam in einem Abstand, mit dem sich jeder einzelne Hund noch wohl und sicher fühlt. Das Ziel ist nicht das gemeinsame Spiel, sondern das entspannte Wahrnehmen und Aushalten der Anwesenheit anderer Hunde.
In einzelnen Phasen finden zudem Übungen statt, die unter Anwesenheit der anderen Hunde ausgeführt werden sollen. Für einige Hunde kann dies eine enorme Herausforderung sein.
Warum das Nebeneinanderlaufen so wertvoll ist
Für uns Menschen sieht ein Social Walk manchmal unspektakulär aus. Für das Gehirn deines Hundes ist es jedoch Höchstleistung und pures Lernen:
Höfliche Kommunikation auf Distanz: Hunde kommunizieren über feine Körpersprache. Wenn sie im großen Bogen hinter- oder nebeneinander herlaufen, können sie den anderen in Ruhe beobachten, ohne sich bedroht zu fühlen.
Abbau von Erwartungshaltung: Viele Hunde verknüpfen den Anblick von Artgenossen sofort mit Action, Frust oder Angst. Beim Social Walk lernt dein Hund: „Da ist ein anderer Hund, aber es passiert nichts Schlimmes – ich kann einfach entspannt weitergehen.“ oder „Da ist ein anderer Hund, aber das bedeutet nicht, dass immer gespielt wird.“
Stärkung der Orientierung am Menschen: Da kein wildes Spiel stattfindet, fällt es deinem Hund deutlich leichter, sich trotz Ablenkung an dir zu orientieren. Ihr wachst als Team enger zusammen.
Für welche Hunde ist ein Social Walk geeignet?
Kurz gesagt: Für fast jeden Hund! Besonders stark profitieren jedoch:
Leinenaggressive oder reaktive Hunde, die lernen müssen, dass Artgenossen keine Bedrohung darstellen. Leinenaggression resultiert meist aus dem Wunsch, den anderen Hund auf den Distanz zu halten. So lernt der Hund, dass die Anwesenheit anderer Hunde nicht bedrohlich ist und er kann positive Lernerfahrungen in diesen kontrollierten Settings machen.
Unsichere oder ängstliche Hunde, die durch die kontrollierte Distanz Schutz und Sicherheit erfahren. Für unsichere Hunde kann ein Social Walk eine erste Möglichkeit sein, Kontakt zu anderen Hunden aufzunehmen, ohne dass ihre individuelle Wohlfühldistanz unterschritten wird. Sie können auf Entfernung Gerüche und Körpersprache wahrnehmen und werden nicht in gezwungenen Kontakten überfordert.
Junge, stürmische Hunde, die lernen dürfen, ihre Impulskontrolle zu trainieren und Frust auszuhalten. Gerade für Junghunde ist es unfassbar schwer, nicht mit jedem Hund in direkten körperlichen Kontakt zu treten. Sie lernen, sich zurückzunehmen und nicht jedem Impuls nachzugehen.
Fazit: Qualität vor Quantität
Hunde brauchen Sozialkontakte – aber sie brauchen gute Sozialkontakte. Ein einziger, kontrollierter Social Walk, bei dem dein Hund mit einem guten, entspannten Gefühl nach Hause geht, ist oft nachhaltiger als zehn wilde Runden im Hundeauslaufgebiet.
Möchtest du dich für einen Social Walk bei Educa Dog anmelden, dann findest du hier weitere Informationen.